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Thema der aktuellen Ausgabe: Der gläserne Mensch - Seine Stärken und Schwächen PDF Drucken E-Mail

Der gläserne Mensch ist ein Begriff, der wie kaum ein anderer so viele Entwicklungen der letzten Jahrzehnte in zwei Worten umschreibt. Er umfasst inzwischen sämtliche Bereiche, die sowohl die Wissenschaft als auch das alltägliche Leben unmittelbar betreffen.

Was uns auf der einen Seite das Leben erleichtern und vielleicht sogar retten kann – z.B. durch implantierte Funkchips bei Herzinfarktpatienten, die im Kontakt zum nächsten Krankenhaus stehen, die Entschlüsselung unserer Genome zur Bekämpfung von Krankheiten oder die gesellschaftlich erwünschte Transparenz von Politik oder Produktion von Gütern –, steht der Angst vor einem totalitären, durch Technologie unterstützten Überwachungs- und Präventionsstaat, dessen Utopie bereits George Orwells „1984“ simulierte, gegenüber. Die Furcht, mittels Zusammenführen aller elektronisch gespeicherter Daten wie Erkrankungen, Kontostand etc. völlig durchschaubar zu werden, prägt die Meinung vieler in Bezug auf neue Medien und/oder Technologien.

Diskussionsstoff bietet sich zunehmend durch das Internet als Kommunikationskanal, in dem soziale Netzwerke wie Facebook oder studiVZ mit ihrem sorglosen Umgang mit persönlichen Daten vieler Benutzer für Schlagzeilen sorgen, aber auch durch öffentliche Videoüberwachung oder Datensammlungen von Behörden.

Aber kann man deshalb alles pauschal verteufeln, was mit der Abrufbarkeit von Daten zusammenhängt? Vor allem, wenn man in einem gewissen und überlegten Maße (sinnvolle) Informationen zur Verfügung stellen will – z.B. zur Information der Bürger oder zum Aufbau von Netzwerken, um Forschungsprojekte oder -gruppen bekannter zu machen? Wiegen die Nachteile wirklich so schwer, dass man darüber die Vorteile vergisst wenn man immer mehr in das faszinierende Mysterium des menschlichen Wesens eindringt und dessen Geheimnissen auf den Grund gehen möchte?

In dieser Ausgabe sollen Wissenschaftler verschiedener Fachdisziplinen zu Wort kommen, die versuchen, eine wissenschaftliche Perspektive aufzuzeigen und Antworten auf Fragen zu geben, die im Zuge der Entwicklung neuer Medien und Technologien zunehmend immer mehr an Bedeutung für den Alltag gewinnen.

 

 

 
Stefan Hüfner: Der Gläserne Mensch – Soviel Freiheit wie möglich, soviel Überwachung wie nötig PDF Drucken E-Mail

1. Übersicht

Der Begriff „der gläserne Mensch“ ist heute mehr denn je in aller Munde und obwohl er zunächst positiv klingt – vielleicht weil Glas ein schönes Material ist – ist er doch für die meisten von uns negativ besetzt: Wir verbinden damit die Wahrnehmung, dass zunehmend Daten über uns, über jeden einzelnen, in immer höherem Maße dem Staate, aber vermutlich auch vielen anderen, zugänglich gemacht werden. Das Bankgeheimnis, so problematisch es ja vielleicht war, wurde vor kurzem abgeschafft, und jetzt kann der Steuerbeamte mit einem einfachen Mausklick feststellen, dass wir drei Euro und 51 Cents an Zinsen zu wenig in unserer Steuererklärung angegeben haben.

Die Datenschutzbeauftragten sind zu Recht darüber irritiert, dass die Menschen immer mehr zu gläsernen werden.

Ernster scheint schon, was die Vereinigten Staaten mit ihren Besuchern heute treiben. Was, so fragt man sich, hat das noch mit dem Besuch bei einem Freund zu tun, wenn von der Haarfarbe über die Kreditkartennummer bis hin zur Mitgliedschaft in möglicherweise bei den Amerikanern nicht geliebten Clubs, alle Informationen auf einen Riesencomputer in den USA gespeichert werden?

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Gerhard Banse: Gläserner Mensch? – Gläserner Mensch! [i] PDF Drucken E-Mail

Ausdrücke wie „Gläserner Mensch“, „1984“, „Big Brother“, „Orwell“ u.ä. sind Metaphern des Datenschutzes, die für eine als negativ bewertete vollständige „Durchleuchtung“ des Menschen und seines Verhaltens durch einen überwachenden Staat stehen (vgl. auch Gaycken/Kurz 2008).[ii] Beispiele sind: Gläserner Bürger, gläserner Steuerzahler, gläserner Patient, gläserner Mitarbeiter, gläserner Kunde. Zum Ausdruck gebracht werden soll auf diese Weise die (potenzielle) Gefahr bzw. das (faktische) Moment einer zunehmenden Überwachung durch neue technische Überwachungsmethoden, eines Verlustes der Privatsphäre sowie einer „Durchleuchtung des Menschen“. Hintergrund dieser Befürchtungen sind sich abzeichnende informations- einschließlich sensortechnischer Entwicklungen:

 

"Informationstechnik spielte sich zu Beginn nur auf speziell dafür vorgesehenen Computern ab. Dann hielt sie Einzug in immer mehr technische Geräte: Radios, Fotoapparate, Waschmaschinen […] Setzt sich dieser Trend fort, werden immer mehr Alltagsgegenstände ‚intelligent‘ – oder zumindest ‚smart‘, wie man auf Englisch sagen würde. […] Kommuniziert wurde anfangs zwischen Menschen und Menschen (per Telefon) und später zwischen Menschen und Maschinen (per Internet). Der nächste naheliegende Schritt ist die Kommunikation von Maschinen mit anderen Maschinen, ohne dass ein Mensch eingreifen muss" (Weber 2003, S. VII).

 

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Michael Klotz: Der „gläserne Mensch“ ist Teil der Informationsgesellschaft PDF Drucken E-Mail

Das Schlagwort vom „gläsernen Menschen“ greift zu kurz, zumal es in der Regel eine ausschließlich negative Beurteilung unserer heutigen Informationsgesellschaft zum Ausdruck bringt. Diese ist in gesellschaftlich-politischer Hinsicht Gegenstand sowohl von Hoffnungen als auch von Ängsten. Die Hoffnungen richten sich darauf, dass die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zum Motor für Innovation und Wirtschaftswachstum wird. Die Reduzierung bzw. Vermeidung von Arbeitslosigkeit ist eine der großen Chancen, die die Informationsgesellschaft verspricht. Die Nutzung multimedialer, interaktiver Informations- und Kommunikationssysteme eröffnet neue, dienstleistungsnahe Wachstumsfelder, etwa in Freizeit und Bildung (bspw. in der Verbindung beider Bereiche als Edu- oder Infotainment), im kulturellen Bereich oder in der Gesundheitsfürsorge. In einer älter werdenden Gesellschaft (sog. „aging society“) kann Seniorinnen und Senioren mit Hilfe von altersgerechten Soft-und Hardwarelösungen ein möglichst autonomes und selbstbestimmtes Leben ermöglicht werden. Gerade hier fallen in hohem Maße personenbezogene Daten an, die zum Nutzen des Betroffenen verarbeitet werden. Für die damit verbundene Transparenz gilt jedoch: It´s not a bug, it´s a feature. In den genannten und noch weiteren Bereichen ist mit einem nachfrage-induzierten Anstieg nach Informations- und Kommunikationsleistungen zu rechnen, der entsprechend positive Auswirkungen für wirtschaftliches Wachstum und nachhaltiges Wirtschaften haben wird.

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